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    Nachricht vom 05.02.18 | Leipziger Buchmesse / Lesefest Leipzig liest

    Europa21: Sind wir wirklich die Besten?

    Internationale Dichter und Denker im konstruktiven Streitgespräch / Künstlerduo Various & Gould erweitert den Denk-Raum

    Vom 15. bis 18. März öffnen die Leipziger Buchmesse und die Robert Bosch Stiftung zum dritten Mal mit dem Programmschwerpunkt Europa21 den Denk-Raum für die Gesellschaft von morgen. Sind wir wirklich die Besten? Unter dieser Überschrift lädt der diesjährige Kurator Mohamed Amjahid internationale Gäste aus Zivilgesellschaft, Kultur, Wissenschaft und Medien ein, über die europäische Vergangenheit zu reflektieren, über Gegenwart zu streiten und Ideen für die Zukunft des Kontinents zu entwickeln. Besucher der Leipziger Buchmesse können den sechs Podiumsgesprächen auf dem Leipziger Messegelände im Café Europa folgen oder sich Freitagabend aktiv am Europaduell im Zeitgeschichtlichen Forum beteiligen. Erstmals betritt eine Künstlergruppe den Denk-Raum. Various & Gould überraschen Leipziger und die Gäste in ihrer Stadt und auf dem Messegelände mit der Plakatreihe Identikits und laden zur Reflexion über Identität und Klischees ein.

    „Wie können wir Visionen von einer solidarischen und inklusiven Zukunft Europas entwerfen, ohne über die unterschiedliche Wahrnehmung heikler europäischer Geschichtsereignisse zu sprechen?“, fragt Mohamed Amjahid. „Europa21 möchte deshalb einen Austausch über Europa, der frei von politischen Zwängen ist, von nationalen Egoismen und vor allem von europäischer Überheblichkeit. Dabei ist der Blick von außen enorm wichtig. Zu Gast in Leipzig sind daher zahlreiche internationale Diskussionsteilnehmer, die sehr unterschiedliche Vorstellungen von ihrem jeweiligen Europa haben.“

    Wir, die Wohlhabenden?

    Oder wem der europäische Wohlstand zusteht.

    Europa definiert sich auch über seinen Wohlstand, dennoch klaffen zwischen den europäischen Ländern immer größere Wohlstandslücken. Die Angst, die eigenen Privilegien zu verlieren, trifft innerhalb Europas auf den wirtschaftlichen Aufbruch ärmerer Länder. Das Podiumsgespräch „Wir, die Wohlhabenden? Oder wem der europäische Wohlstand zusteht.“ eröffnet die Programmreihe im Café Europa am Donnerstag um 12.00 Uhr. Der isländische Autor, Politiker und Komiker Jón Gnarr diskutiert mit der Journalistin Mely Kiyak und dem Zukunftslobbyisten Wolfgang Gründinger aus Deutschland über die Verantwortung des größten Wirtschaftsraums der Erde.

    Wir die Zivilisierten?

    Oder was europäische Zivilisation überhaupt ist.

    Die französische Autorin und Filmemacherin Rokhaya Diallo, der syrisch-schwedische Lyriker Ghayath Almadhoun und Diana Kinnert, Politikwissenschaftlerin sowie CDU-Mitglied, debattieren über die Gewissheit vieler Europäer, die beste Zivilisation der Erde entwickelt zu haben. Doch (wie) kann der Wissenskanon in Europa sinnvoll ergänzt werden? Diese Frage wird in dem 2. Podiumsgespräch „Wir die Zivilisierten? Oder was europäische Zivilisation überhaupt ist.“ diskutiert, das am Donnerstag um 13.00 Uhr im Café Europa stattfindet.

    Wir, die Identioten?

    Versuchung oder Ausweg – Europa, seine Regionen und die Nationalismusfalle.

    In Brüssel ist die Formel „Das Europa der Regionen“ sehr beliebt. Doch wie funktioniert der Balanceakt zwischen der europäischen Einheit und der friedlichen (!) Wahrung lokaler Identitäten? Und welchen Einfluss hätte eine Regionalisierung auf das europäische Projekt? Welche Rolle spielt die teils herrschende Obsession der „Wahrung der eigenen Identität“ dabei? Der Frage „Wir, die Identioten? Versuchung oder Ausweg – Europa, seine Regionen und die Nationalismusfalle.“ gehen am Freitag, 12.00 Uhr, die polnische Journalistin Aleksandra Rybińska, Stefan Schlegel von der Operation Libero aus der Schweiz, und aus Deutschland die EU-Expertin Elisa Simantke sowie der Journalist Matthias Meisner nach. Das Gespräch wird auch im Inforadio (rbb) im Rahmen der Sendung „Das Forum“ am Sonntag, 25.3., 11.00 Uhr, und anschließend als Podcast auf der Homepage des Senders zu hören sein.

    Wir, die Partner und Freunde?

    Oder wie das erweiterte Europa das Ganze betrachtet.

    Beim 4. Podium schildern Partner, Freunde und Ex-Mitglieder des EU-Klubs ihren Blick auf die Europäische Union. Wie stellen sie sich eine zukünftige Kooperation vor, um globale Herausforderungen wie Frieden, Umweltschutz und Migration zu meistern? Wollen die Nachbarn mit der EU überhaupt kooperieren? Antworten darauf geben die norwegische Autorin Åsne Seierstad, die Kulturaktivistin Kateryna Mishchenko aus der Ukraine und die deutsche Journalistin Doris Akrap. Das Podiumsgespräch „Wir, die Partner und Freunde? Oder wie das erweiterte Europa das Ganze betrachtet.“ geht am Freitag um 13.00 Uhr im Café Europa an den Start.

    Wir, die Postsolidarischen?

    Oder wo die Grenzen der europäischen Solidarität liegen.

    Das Wort Union ist seit mehr als zwei Jahrzehnten fest mit Europa verbunden. Der Brexit, die Eurokrise und die Migrationsfrage warfen in der jüngsten Vergangenheit allerdings die Frage auf: Wo liegen die Grenzen dieser europäischen Solidarität? Und falls sie existieren sollten: Sind sie verhandelbar? Meinen Europäer ein und dasselbe, wenn sie von Solidarität sprechen? Dieser Frage gehen der ungarische Philosoph Gáspár Miklós Tamás, die griechische Autorin Danae Sioziou sowie der deutsche Journalist Robin Alexander in der Runde „Wir, die Postsolidarischen? Oder wo die Grenzen der europäischen Solidarität liegen.“ am Samstag um 13.00 Uhr nach.

    Wir, die Geschichtsbewussten?

    Oder war da was vor hundert Jahren?

    Schließt die geschichtliche Amnesie eine verantwortungsbewusste und ganzheitliche Politik im Heute aus? Wie wird in Europa der Vergangenheit gedacht? Warum klappt es manchmal nicht so gut mit dem Erinnern? „Wir, die Geschichtsbewussten? Oder war da was vor hundert Jahren?“ ist das sechste Podiumsgespräch am Samstag, 16.00 Uhr, überschrieben. Zum Abschluss der Programmreihe setzen sich die Kuratoren Adam Szymczyk aus Polen und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung aus Kamerun mit der aus Georgien stammenden Autorin Nino Haratischwili und dem deutschen Journalisten Yassin Musharbash auseinander.

    Neues Format Europaduell: Autoren im Wortgefecht

    Gibt es überhaupt EINE deutsche, EINE polnische oder EINE französische Vision für die Zukunft Europas? Vertreter verschiedener politischer Lager in den Gesellschaften Europas bestimmen alle mit, in welche Richtung sich der Kontinent entwickeln soll, sei es in europäischen Gremien oder durch innenpolitische Entscheidungen in ihren Ländern. Welche Szenarien konkurrieren miteinander? Wie kann man sie aus der jeweiligen nationalen Perspektive (besser) verstehen und in den europäischen Kontext einordnen? Beim Europaduell am Freitagabend ab 19.30 Uhr im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig präsentieren teilweise Autoren aus demselben Land verschiedene Zukunftsvisionen für Europa. Das Publikum darf abstimmen, wer die besseren Argumente vorträgt. Anschließend diskutieren die Autoren mit dem Publikum kontrovers-konstruktiv über das Europa von morgen. Im ersten Europaduell treten der polnische Kurator Adam Szymczyk, sowie die Journalistin Aleksandra Rybińska aus Polen und im zweiten die beiden deutschen Autorinnen Margarete Stokowski, in Polen geboren, und die aus Mazedonien stammende Zana Ramadani an.

    Die Programmreihe wird in diesem Jahr von Jenny Friedrich-Freksa, Harald Asel, Ebru Taşdemir und Mohamed Amjahid moderiert.

    Die Identikits: Kunstprojekt im öffentlichen Raum

    Das Berliner Künstlerduo Various & Gould legt für den Programmschwerpunkt Europa21 seine 2008 begonnene Plakatserie Identikits neu auf. „Identitäten sind hochkomplex, Klischees hingegen arbeiten mit Vereinfachung“, sagt Mohamed Amjahid. „Das gilt auch für die Debatten in und um Europa. Denn die Identität Europas ist komplex, wie darüber gesprochen wird umso mehr klischeebelastet.“ Diesen Widerspruch verbildlicht das Künstlerduo mit seiner Plakatreihe Identikits. Various & Gould schneiden dabei Gesichter von bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten in waagerechte Streifen und versehen sie mit Schlagwörtern. „Die auf den ersten Blick irritierenden Plakatmotive sollen begleitend zu den Europa21-Debatten im öffentlichen Raum der Stadt und auf dem Leipziger Messegelände zum Nachdenken anregen“, so der Kurator.

    http://variousandgould.com/info/

    Informationen zu allen Teilnehmern finden Sie in der Pressemeldung „Teilnehmer Europa21“

    Öffnungszeiten und Preise

    Die Leipziger Buchmesse im Verbund mit der Manga-Comic-Con und der Leipziger Antiquariatsmesse öffnet vom 15. bis 18. März, täglich von 10 bis 18 Uhr. Tickets gibt es im Online-Ticketshop. Früh sein lohnt sich, denn das spart gegenüber den Tageskarten nicht nur bares Geld, sondern auch Wartezeit in langen Schlangen.

    Über den Kurator

    Mohamed Amjahid, mehrsprachig aufgewachsen machte der 1988 in Frankfurt am Main geborene Mohamed Amjahid bisher unter anderem Station bei der taz, dem Tagesspiegel, den Kulturwellen der ARD und Al Jazeera. Bis Dezember 2017 war er Reporter und Redakteur beim ZEITmagazin in Berlin. Im Januar wechselte Amjahid in das Ressort Politik der ZEIT. 2017 erschien sein erstes Buch „Unter Weißen. Was es heißt, privilegiert zu sein“ bei Hanser Berlin.

    Erfahren Sie mehr über Mohamed Amjahid im Interview auf dem Blog der Leipziger Buchmesse oder in einem weiteren Interview auf der Homepage der Robert Bosch Stiftung

    Über die Robert Bosch Stiftung

    Die Robert Bosch Stiftung GmbH gehört zu den großen, unternehmensverbundenen Stiftungen in Europa. In ihrer gemeinnützigen Arbeit greift sie gesellschaftliche Themen frühzeitig auf und erarbeitet exemplarische Lösungen. Dazu entwickelt sie eigene Projekte und führt sie durch. Außerdem fördert sie Initiativen Dritter, die zu ihren Zielen passen.

    Die Robert Bosch Stiftung ist auf den Gebieten Gesundheit, Wissenschaft, Gesellschaft, Bildung und Völkerverständigung tätig.

    In den kommenden Jahren wird sie darüber hinaus ihre Aktivitäten verstärkt auf drei Schwerpunkte ausrichten:

    • Migration, Integration und Teilhabe

    • Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland und Europa

    • Zukunftsfähige Lebensräume

    Seit ihrer Gründung 1964 hat die Robert Bosch Stiftung mehr als 1,4 Milliarden Euro für ihre gemeinnützige Arbeit ausgegeben.


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